Der eines Weinschwärmers 

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Deilephila elphenor unser häufigster und wohl farbintensivster Schwärmer.

Seiteninhalt

  1. Biologie
  2. Lebenslauf
  3. Abhandlung; Farbvariationen der Raupen
  4. Fundstellen / Zuchttips
  5. Gedicht des Todes

(bitte etwas Geduld beim Laden der Seite da diese sehr umfangreich ist)

Merkmale 2.5-knapp 4cm lange Vorderflügel. Auffallende rote Grundfärbung mit 2 gezogenen Linien. Der sehr muskulöse Körper ist behaart und in der gleichen Farbe gehalten. Die grüngelben Augen sind extrem gross. Hat langen Rüssel der während des Fluges zusammengerollt ist.

Fluggebiet Bevorzugt Heidegebiete, Flussniederungen und Waldbrachen. Zuweilen besucht er aber auch Parkanlagen und Gärten.

Verbreitung Ganz Mitteleuropa bis zur Polargrenze. In den Alpen bis 1500 m.

Kalendario Flugzeit ab mitte Mai bis Juli. In idealen Jahren kann (seltener) eine 2. Generation von August bis September fliegen.

Die Raupen fressen von der 2. Hälfte Juni bis August (selten September) an Weideröschen, Labkraut und Springkraut. Im Sept. verpuppt sich die Raupe unter Mull oder in der Erde und überwintert. Dabei kann sie auch extreme Winter überleben.


LEBENSLAUF

Der Steinbruch mit vielen Weideröschen blüht noch vom Frühling nach. Das Unkraut spriesst erst langsam und ist noch nicht besonders hoch. Die ersten warmen Sommertage lassen jedoch viele Insekten herumschwirren und am Abend bricht die Aktivität nicht ab. Für das Auge beinahe zu schnell schwirren hörbar grosse Brummer in das Dunkel hinein. Es ist Schwärmer und co ! Ein auffallend gefärbtes Tier schwirrt um die jungen Weideröschen und scheint diese abzumessen. Ein kurzes Innehalten, den Hinterleib gekrümmt und weiter zum nächsten Stengel. Gezielt verteilt das Weibchen Ei um Ei und verschwindet in der Dunkelheit.

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Nur 14 Tg später verändert sich das grüne (für die grossen Tiere rel. kleine) Ei und wird durchsichtig. Eines Morgens frisst sich da ein Miniräupchen durch die Schale und verspeisst diese als Vitaminspritze. Nun beginnt ein Leben von fressen, fressen, fressen. Innert rund 2 Monaten heisst es auf 10-11cm zu wachsen, sich 5 mal zu Häuten und dabei vor allem zu überleben! Genug Brüder (od. Schwestern, denn die Raupe ist geschlechtslos) werden auf der Strecke bleiben (siehe GEDICHT DES TODES). Da sind die Stechwespen die jede Gelegenheit nutzen ihre Eier in den jungen Leib zu pflanzen, die Vögel die auch hungrige Mäuler zu hause haben, da sind die Unwetter und zu guterletzt die Menschen, die oft solche Biotope flachwalzen oder ausmerzen. Sind die Weideröschen und die Raupe noch klein, versteckt sich der Winzling tagsüber am Boden und besteigt in der Dämmerung die Pflanze um an das frische Grün zu kommen. Zur Tarnung hilft auch das Farbenkleid ( siehe unten ABHANDLUNG ) und eine eher originelle Schreckeinrichtung: Am Vorderkörper sind 2 Augenpaare gezeichnet. Bei Gefahr zieht die Raupe den Kopf ein und verdickt/vergrössert diese Augenpaare. Mindestens bei denn kleinen Feinde muss dies enormen Eindruck hinterlassen. 

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Doch schon geht es weiter....fressen, fressen fressen. Bei soviel Hunger wird die Haut schnell eng und unbequem. Dann gönnt sich die Raupe eine Pause von ein paar Tagen. Mit ungeduldigen Bewegungen bringt das Tier die Haut zum reissen und befreit sich davon. Ein feuchtes, ein paar Nummern zu grosses Kleid kommt zum Vorschein. Kurz darauf geht es weiter.......fressen, fressen fressen. Eine ideale Fressmaschine wächst heran. Der ganze Körper ein einziger Verdauungstrakt, 3 Beinpaare vorne um die Blätter zum Rasspelmund zu führen, 4 Beinpaare mit Saugnäpfen um sich am Stengel festzuklammern und ein Afterpaar das sich genüsslich hebt um die kleinen Kottbällchen herauszudrücken!

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Mit der Zeit wachsen die Weideröschen zu stattlichen bis 1.5m grossen Büschen, die Raupe ist nun zu faul um am Tage noch den Bodenschutz zu suchen, es geht zur finalen Fressorgie. Genug und Pause. Von einer unbekannten Macht getrieben verlässt das nun riesige Tier die Pflanze und geht auf Wanderschaft, begutachtet das Erdenreich, geht weiter. Wenn alles stimmt, versucht die nun farblos wirkende Raupe, in die Erde einzudringen. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Je nach Beschaffenheit des Grundes versucht sich die Raupe eine Höhle einzurichten und einzukleiden. Im Gegensatz zu anderen Familien sind die Schwärmer darin eher erfolglos. Eine schüttere Verkleidung reicht offensichtlich. Nun wird die Raupe über Tage kleiner, schrumpft zusammen und die ganze Pracht ist vergessen. Rund eine Woche später geschieht das erste Wunder der Metamorphose; beim Häuten kommt keine neue Haut zum Vorschein, nein, ein weicher Chitinpanzer von 5-6cm wird freigelegt.

Mit diesem, nur an den mittleren Segmenten beweglichen Gehäuse richtet sich die Puppe zur Winterruhe ein und erstarrt. In der ganzen Zeit von Oktober bis April geschieht eigentlich gar nichts, die Puppe überlebt Minusgrade, Frost und Eis. Nur feuchte, nasse Winter können Pilzbefall und Absterben verursachen. Sobald die Tage länger und wärmer werden beginnt auch die Puppe zu reagieren. Wie durch eine Sonnen- od. Wärmeuhr geleitet beginnt der letzte Akt. Aus der undefinierbaren Masse der ehemaligen Raupe formen sich neue Glieder, Flügel und ein geschlechtlich bestimmtes Tier. Es wird Mai, die ersten warmen Tage sind vorüber und die Puppe hat sich gestreckt, und noch eine Woche später schimmert das Lilarot des elphenor durch. Mit Gewalt zerbricht das Gehäuse und grosse, olivgrüne Augen starren in die Freiheit. Doch es bedarf noch anstrengender Arbeit, bis sich der Falter befreit hat und mit den noch anliegenden Flügelstummel einen Weg durch das Erdreich findet. Ist dies geschafft, heisst es eine Höhe erklimmen und tief durchatmen! Blut wird in die Flügel gepumt und nach 1-2 Stunden ist der neue Falter in seiner ganzen Pracht zu bewundern. Den Tag verbringt der Schwärmer noch in Ruhestellung und wartet den Abend ab. Kurz vor dem ersten Flug entleert er noch seinen Darm und beginnt mit dem "check for take off", heisst soviel wie Flügelschwirren. Und los geht es in eleganten Kurven nur ein Ziel im Kopf= einen Partner finden. Dieses Ziel hat oberste Priorität und über Kilometer findet das Männchen dem Duftsignal folgend ein Weibchen. Zum Auftanken besitzt elphenor einen langen Rüssel zum ausrollen. Wilde Blüten werden dabei im Fluge angepeilt und gute Beobachter können dann, wohl zum einzigenmal, das einmalige Insekt bewundern. Irgendwann wird doch auch er zum Opfer eines Vogels, eines Nagers oder eines Unwetters etc. etc. Nur wenige sterben an Altersschwäche nach einem Tanz durch den Sommer.

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Abhandlung / Variationen der Raupen

In einschlägigen Büchern und von Beobachtern wird von zwei Farbformen gesprochen. Dazu habe ich meine eigenen Beobachtungen und mit Bildmaterial auch unterstütze

Feststellung aus meinen Zuchten von 1984 bis 1994. Die grössten Mengenfunde (an gleicher Stelle) machte ich dabei; 1988 BL/ Lausen/ Ödlandschaft 6 Exemplare, 1991 ZH/ Saland/ Steinbruch 5 Exemplare.

Neben den üblichen Farbunterschieden gibt es bekanntlich eine grüne und eine braune Form. Nach meinen Beobachtungen ist dies aber nicht so einfach. Ein Zufallssystem gibt die Farbe, kann aber auch eine logische Erklärung geben!

1. Die schlüpfenden Raupen sind immer grün. Nach der 2. - 3. Häutung sind im Prinzip immer noch alle Tiere grün.

2. Grüne Raupen findet man bis 40% ohne dunkle Schattierung bis zur 5. Häutung. Diese Tiere erscheinen wie Albinos und haben einen roten Hornansatz.

3. Davon werden aber rund 70% braun bis schwarz, lediglich 30% bleiben grün aber mit deutlichen braunen/schwarzen Flecken und dunklem Horn. (ganz selten ist auch eine hellbraune Variante mit klaren Sphinx-Seitenlinien zu finden (letztes Bild)).

4. Erwachsen sind ergo höchstens 20% grün, davon jedoch keine rein hellgrün.

5. In den seltenen 2. Generationen findet man nur einzelne, bis gar keine grünen Varianten 

    Daraus lässt sich folgende Schlussfolgerung ableiten:

--> Die Jungen ( Schlupf-3.Häutung) Raupen fressen an frischen Weideröschen und verstecken sich tagsüber am Boden, im noch frischen Grün. Grüne Räupchen sind so bestens getarnt, braune Tiere fallen eher auf

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--> Die älteren Raupen fressen an, von unten her bräunlich werdenden Weideröschen, eine dunkle Tarnung bietet da eher Schutz, auch eine grüne gesprenkelte. Zudem muss die erwachsene Raupe an der Erde und im Laub einen Ruheplatz finden. 

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---> Definitiv gibt es also keine feste Farbvariationen sondern Stadien der Entwicklung aus einer eher logischen Evolution. Während allen meinen Beobachtungen wurde nie aus einem jungen braunen Tier ein Grünes, was auch für diese Theorie spricht. 


Fundstellen / Zuchttips

In allen beobachteten Biotopen konnte ich bis jetzt Raupen finden. Die kleinen Juli Raupen sind sehr schwer zu finden, ab August aber teilw. in grösseren Stückzahlen.

Ideale Orte sind Steinbrüche, Ödländer, Schuttablagen und grosse Waldlichtungen. Erstaunlich oft findet man Raupen an Fuchsiapflanzen ums Haus, dabei handelt es sich vielmals auch um den kleinen Weinschwärmer (porcellus). Seltener sind Funde an Lab- und Springkraut sowie Obstbäumen/Sträucher und Gerranium. Trockene, sonnige Orte werden generell bevorzugt.

Die Raupen sind trocken und sauber zu halten. Feuchtigkeit verträgt die Raupe nicht! Für Einzeltiere ist ein grosses Einmachglas (mit Gaze abgedeckt) ideal, für Gruppen sollte ein Kleinterrarium genommen werden. Dies kann ein altes Aquarium sein, oder idealer eine Holzkiste (für was ein Bordeaux-Kiste alles gut ist) mit Gaze od. Stoff abgedeckt. Als Futter reiche man Fuchsia od. Weideröschen, nur im Notfall Lab-Springkraut da dieses zu schnell welkt. Beim Futterwechsel werden die Raupen am Anfang Ihre Schreckstellung einnehmen, doch bald gewöhnen sie sich an das Prozedere. Während den Häutungspausen darf die Raupe nicht gestört oder gar angefasst werden. Während der Unruhe (kurz vor dem Verpuppen) muss Erde ca 10cm aufgefüllt und mit Laub abgedeckt werden. Nach dem Verkriechen muss unbedingt 14 Tage

Ruhe folgen. Die Überwinterung kann so auf der Terrasse/Balkon vorgenommen werden. Ideal ist eine sorgfältige Verlegung der Puppe in ein Behältnis welches mit Watte oder Gaze ausgelegt ist. Dies ist von Vorteil, da ab März die Puppe, bei trockenem Klima, wöchentlich befeuchtet werden muss. Das Ausschlüpfen und Fortfliegen des herrlichen Falters belohnt einem dann für die Mühe. Zudem ist bei einer fachgerechten Zucht die Überlebenschance x-mal grösser.


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Gedicht des Todes

Die Schlupfwespe schwebt heran und steht leicht über ihr, Gesicht zu Gesicht. Dunkel droht der Leib. Ein ungeheurer Schreck durchzuckt die Raupe, ihr feiner Sinn hat die Nähe des Feindes wahrgenommen. Sie zieht den Kopf ein, erhebt die Brust, wie unter einer Regung ängstlicher und ärgerlicher Tapferkeit schimmern die Abschreckaugen empor. Geisterhaft flimmern die Flügel über ihr, an Glasflügel meldet sich das Raupenschicksal an. Die Heimgesuchte unternimmt einen Versuch, den furchtbaren Boten von sich abzulenken, sie schlenkert mit dem Kopf und vollführt ruckartige Bewegungen. Mit einer fast flehenden Haltung richtet sie sich auf. Aber blitzschnell setzt sich die Wespe, den Laib nach hinten reckend, auf den Vorderkörper ihres Opfers. Die Punktaugen der Überfallenen gewahren den Wespenkopf der Peinigerin. Der lange Legestachel, das grässliche Werkzeug, ein schwarzer Spies von Chitin am Hinterleibsende der Wespe, trifft den Brustabschnitt der Blattfresserin. Geschmeidig und schnell dringt er wie eine Stahlnadel tief in den Raupenspeck, dort wo keine lebensgefährliche Wunde entstehen kann. Durch die harrdünne Dolchröhre gleitet die Eierpatrone in das lebendige Nest. Wie sich die Raupe mit aller Kraft anstrengt, ihre Bedrängerin abzuschütteln! Aber die sitzt fest und weicht nicht, eh ihr grauenhaftes Mutterwerk vollbracht. Zwei-dreimal stösst der Stachel sicher und stark, nun versinkt er, mit Wucht stösst die Wespe nach. Teuflisch zittern und wimpeln ihre Fühler. Fertig, der Dolch wird aus der Wunde gezogen, die Wespe ist fort. Und nun nach dem Abflug des Todesboten, der zwischen Raupendasein und Falterleben eine unüberschreitbare Grenze gesetzt hat, sinkt die Raupe auf ihr Blatt zurück und benimmt sich als wäre ihr nichts wiederfahren. Sie hat sich beruhigt, die Erinnerung an den Überfall ist geschwunden. Sie setzt Ihr altes Leben fort. Frisst, kriecht von Blatt zu Blatt, entleert sich und frisst. So geht es heute, so geht es morgen, sie frisst, tagein tagaus. Und immer heftiger meldet sich der Hunger! Sie frisst mit wachsender Gefrässigkeit und wachsendem Hunger, sie frisst. Doch nicht für sich, die ahnungslose Raupe.


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erich streit 4410 Liestal 30.9.2016